Früherkennung Prädiabetes erhöht Herz-Kreislauf-Risiko

Viele Menschen in der Schweiz leben mit einem Prädiabetes – ohne es zu wissen. Rechtzeitig erkannt und gegengesteuert, halbiert sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten, wie eine neue Studie zeigt.

Prädiabetes erhöht Herz-Kreislauf-Risiko

Typ-2-Diabetes und seine Folgeerkrankungen gehören zu den grössten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. Viele Betroffene, genauer gesagt ein Drittel von ihnen, wissen nichts von ihrer Erkrankung, da sie schleichend verläuft und somit oftmals lange unerkannt bleibt. Obwohl die beeinflussbaren Risikofaktoren – in Form eines ungesunden Lebensstils – für Diabetes Typ 2, bei dem die Bauchspeicheldrüse nicht genügend Insulin produziert oder der Körper es nicht mehr wirksam verwenden kann, um Blutzucker in Energie umzuwandeln, weitestgehend bekannt sind, sprechen die Zahlen eine andere Sprache: Typ-2-Diabetes gehört mit 450‘000 Betroffenen zu den häufigsten nichtübertragbaren Erkrankungen in der Schweiz. Auch bei jungen Menschen wird die chronisch gestörte Regulation des Insulinspiegels immer öfter festgestellt. 


Unterschätzte Folgeerkrankungen
Heisst: eine längere Krankheitsdauer, mehr Belastung und ein höheres Risiko für Komplikationen bereits im jungen Erwachsenenalter. Zu den schweren Komplikationen gehören Schäden an Nieren, Nerven und Augen. Die diabetische Retinopathie etwa ist die häufigste Ursache für neue Erblindungsfälle bei Erwachsenen im Alter von 20 bis 74 Jahren in Industrieländern. Auch das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen in den Füssen, Stichwort Diabetisches Fusssyndrom (DSF), steigt. Der Grund: Ein unbehandelter Diabetes schädigt die Gefässe. Das Gute: Folgeerkrankungen lassen sich oft vermeiden, verzögern oder zumindest gut therapieren, wenn sie rechtzeitig behandelt werden. 


Persönliches Diabetes-Risiko
Ein Ansatzpunkt ist, Menschen mit einem erhöhten Diabetesrisiko früh zu erkennen sowie Menschen mit einem Prädiabetes, den schätzungsweise jede fünfte erwachsene Person hat, gezielt zu behandeln, bevor sie einen Typ-2-Diabetes entwickeln. Wie hoch das eigene Risiko ist, in den nächsten zehn Jahren an Diabetes zu erkranken, lässt sich ganz einfach anhand weniger, additiv wirkender Routineparameter wie Nüchternblutzucker, Alter, Geschlecht und Body-Mass-Index (BMI) ermitteln, heisst es in der im September 2025 im Fachjournal JAMA Network Open publizierten Rochester Epidemiology Project-Studie. Die Untersuchungen von fast 45’000 US-amerikanischen Erwachsenen zeigte, dass bereits Nüchternblutzucker-Werte im oberen Normbereich das Diabetesrisiko erhöhten. Kombinierte sich dieser Befund mit Übergewicht, verdoppelte sich die Wahrscheinlichkeit.


Herz-Kreislauf-Krankheiten vorbeugen
Wie wichtig es ist, bereits einen Prädiabetes früh zu erkennen und die leicht erhöhten Blutzuckerwerte aktiv zu senken, zeigt eine aktuelle Studie unter der Leitung von Andreas Birkenfeld, Leiter der Diabetologie am Universitätsklinikum Tübingen in Deutschland, die im Dezember 2025 im Fachblatt «The Lancet» publiziert wurde. Das Ergebnis der Analyse von Langzeitdaten aus zwei grossangelegten Studien aus den USA und China: Wenn Menschen mit Prädiabetes ihren Blutzucker wieder in den normalen Bereich bringen, halbiert sich ihr Risiko für Herzinfarkt, Herzschwäche und einen frühzeitigen Tod – und das unabhängig von Alter und Gewichtsreduktion. Die Forschenden raten zu einem nüchternen Blutglukosewert von 97 mg/dl oder darunter. Darauf kann man sich in der Hausarztpraxis testen lassen. Auch einige Apotheken und Drogerien bieten Messstationen für Blutzuckerwerte an, meist als Schnelltest.


Moderne Therapien
Menschen mit Diabetes leben länger als früher, verbringen dadurch aber mehr Lebenszeit mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Trotz der besseren Behandlungserfolge bleibt die Beeinträchtigung durch Diabetes hoch. Unabhängig vom Diabetestyp setzen derzeitige Therapien die Fähigkeit und Bereitschaft zum kontinuierlichen Selbstmanagement voraus. Vielen Betroffenen eröffnen moderne Technologien wie kontinuierliche Echtzeit-Zuckermessgeräte (rtCGM) und spezielle Apps neue Chancen auf ein selbstbestimmteres Leben. Technische Innovationen und die fortschreitende Digitalisierung bieten ihnen eine individualisierte Therapiemöglichkeit je nach Lebenssituation und können auch zu mehr Bewegung und gesünderem Essen motivieren – neben neuen Erkenntnissen aus der Diabetes-Forschung eine wichtige zusätzliche Unterstützung, vor allem mit Blick auf die zunehmende Verbreitung von Diabetes Typ 2.

Erstellt: 10.02.2026 07:00 Uhr

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