Interview Qualitätslabel gibt Gewissheit, die bestmögliche Behandlung zu erhalten

In den meisten Fällen ist heute frühzeitig erkannter und behandelter Brustkrebs heilbar. Bei der Behandlung und Betreuung ist die geprüfte und transparente Qualität zentral.

Im Interview: Dr. med. Julia talimi-Schnabel Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und PD Dr. med. Konstantin Dedes Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

Wird ein Brustkrebs frühzeitig erkannt und behandelt, ist er heute in der grossen Mehrheit der Fälle heilbar. Auf welche Fortschritte ist diese erfreuliche Entwicklung zurückzuführen?

Dr. med. Julia Talimi-Schnabel: Ein bedeutender Fortschritt besteht darin, dass Brustkrebs immer früher entdeckt wird. Ein Grund dafür ist das gestiegene Bewusstsein für die Wichtigkeit der Früher Erkennung und damit auch der Vorsorgeuntersuchung. Dazu kommt, dass die Methoden der Diagnostik erheblich aussagekräftiger geworden sind, etwa die Bildgebung mittels digitaler Mammographie und Ultraschall. Ein zweiter Fortschritt betrifft die Verbesserung der Behandlung von Brustkrebs. Es stehen heute viele verschiedene Therapieansätze zur Verfügung, die für jede Patientin individuell miteinander kombiniert werden können. Neben den drei klassischen Therapiesäulen Operation, medikamentöse Therapie, sprich Antihormontherapie und Chemotherapie, und Strahlentherapie gehören dazu eine Reihe von neuen zielgerichteten Therapien und Immuntherapien.


Behandlung und Betreuung von Brustkrebspatientinnen erfolgen heute immer fachübergreifend. Welche Disziplinen sind daran beteiligt, und wie muss man sich die interdisziplinäre Zusammenarbeit vorstellen?
PD Dr. med. Konstantin Dedes: Das Kernteam besteht aus Spezialistinnen und Spezialisten der operativen Gynäkologie, der Onkologie, der Radiologie, der Pathologie, der plastischen Chirurgie und der Strahlentherapie. Am Tumorboard erarbeiten sie gemeinsam für jede Patientin einen massgeschneiderten Therapieplan. Er beschreibt eine Sequenz von verschiedenen Behandlungen, die von den Vertreterinnen und Vertretern der erwähnten Fachgebiete durchgeführt werden. Ins Behandlungskonzept eingebunden sind je nach Bedarf auch unterstützende Disziplinen wie die Psycho Onkologie, die Reproduktionsmedizin, die Ernährungsberatung oder die Physiotherapie.


Der Anteil an jüngeren Krebspatientinnen ist in den letzten Jahren gestiegen. Was bedeutet das Alter einer Patientin für die Therapie?
Dr. med. Julia Talimi-Schnabel: Jüngere Frauen erkranken häufiger an aggressiven Brustkrebsarten als ältere Frauen. Das bedeutet, dass bei ihnen meist mehr Therapien zum Einsatz kommen als bei älteren Patientinnen. Je nach Alter und Lebensplanung der betroffenen Frau kann auch die Reproduktionsmedizin wichtig werden, da mit eine Schwangerschaft auch nach einer Chemotherapie möglich bleibt. Für Frauen jeden Alters, aber ganz besonders für jüngere Frauen ist schliesslich auch ein ästhetisches Operationsergebnis von grosser Bedeutung. Dieses Kriterium kann deshalb die Wahl der Operationstechnik beeinflussen.

Bei der Behandlung von Brustkrebs im Frühstadium lassen sich Übertherapien mit vielen Nebenwirkungen verhindern.

Das Brustzentrum Zürich See ist eine Kooperation zwischen dem See-Spital und der Hirslanden Klinik Im Park. Welche Vorteile ergeben sich daraus für die Patientinnen im Einzugsgebiet der beiden Spitäler?
Dr. med. Julia Talimi-Schnabel: Die Vorteile liegen auf zwei Ebenen: Zum einen erschliesst das Brustzentrum Zürichsee mit seinen zwei Standorten einen grossen Teil des linken Zürichsee Ufers und kann damit den Brustkrebspatientinnen aus der Region eine wohnortsnahe Betreuung und Behandlung anbieten. Zum anderen verfügt das Brustzentrum dank seiner Grösse über hohe Fallzahlen, was die Behandlungsqualität positiv beeinflusst.


Das Brustzentrum Zürich see verfügt seit Oktober über das Qualitätslabel für Brustzentren der Krebsliga Schweiz und der Schweizerischen Gesellschaft für Senologie. Was bedeutet eine solche Zertifizierung aus Patientinnen Sicht ?
PD Dr. med. Konstantin Dedes: Das Qualitätslabel gibt Brustkrebspatientinnen die Gewissheit, dass sie die bestmögliche Behandlung für ihre Erkrankung erhalten. Eine solche zeichnet sich dadurch aus, dass sie von erfahrenen Spezialistinnen und Spezialisten aus verschiedenen Fachgebieten gemeinsam festgelegt und Hand in Hand durchgeführt wird, und zwar unter Orientierung an Behandlungsleitlinien, die den neuesten Stand der Wissenschaft reflektieren.

 
Wo erwarten Sie in Zukunft weitere Fortschritte in der Behandlung von Brustkrebs?
PD Dr. med. Konstantin Dedes: Die Behandlung von Brustkrebs wird noch personalisierter sein. Das beginnt schon bei der Prävention, weil nicht alle Frauen das gleiche Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken. Die Personalisierung der Therapie wird durch neue Immuntherapien und andere zielgerichtete Therapien voranschreiten. Vor allem bei der Behandlung von Brust krebs im Frühstadium lassen sich dadurch Übertherapien mit vielen Nebenwirkungen verhindern. Patientinnen mit Brustkrebs in einem fortgeschrittenen Stadium werden dank eines immer besseren Verständnisses der Tumorbiologie und des Immunsystems von noch wirkungsvolleren Therapien profitieren.

Brustzentrum Zürichsee
Standort Hirslanden Klinik Im Park:
Seestrasse 220 · 8027 Zürich

Standort See-Spital:
Asylstrasse 19 · 8810 Horgen

 

Im Interview:

Dr. med.
Julia Talimi-Schnabel
Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe

PD Dr. med.
Konstantin Dedes
Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

Erstellt: 06.01.2023 07:00 Uhr

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