Minimalinvasive Therapien der modernen Neurochirurgie Wenn das Gesicht schmerzt oder zuckt
Die Adventszeit erinnert uns daran, wie wertvoll Ruhe, Nähe und Erholung sind. Doch für viele von einer Trigeminusneuralgie oder einem hemifazialen Spasmus Betroffenen sind diese Momente selten geworden. Heftige Schmerzen oder Zuckungen im Gesicht bestimmen den Alltag. Fast ausnahmslos liegt bei beiden Erkrankungen der gleiche Mechanismus zugrunde: eine Nervenirritation ausgelöst durch ein anliegendes Blutgefäss. Nur in sehr seltenen Fällen ist die Ursache ein Tumor oder eine Entzündung im Hirnstamm.
MEDIKAMENTE MIT NEBENWIRKUNGEN
Bei der Trigeminusneuralgie handelt es sich um eine Erkrankung des Drillingsnerven, des Nervus trigeminus, welcher für die Sensibilität im Gesicht verantwortlich ist. Diese Erkrankung führt zu blitzartig einschiessenden Gesichtsschmerzen, die zu den stärksten bekannten Schmerzformen zählen. Oft werden die Schmerzattacken durch Berührung, Kauen oder plötzliche Temperaturunterschiede getriggert, und in der Akutphase bewirken Schmerzmedikamente kaum Erleichterung. Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie entwickelt wurden, können, wenn sie dauerhaft eingenommen werden, Linderung bewirken – aber meist unter Inkaufnahme von Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit.
INJEKTIONEN: KEINE DAUERHAFTE LÖSUNG
Beim Spasmus hemifazialis besteht eine Irritation des Gesichtsnervs, welcher die Gesichtsmuskulatur und damit die Mimik und den Lidschluss steuert. Es kommt zu unwillkürlichen kurzen muskulären Zuckungen oder länger anhaltenden Verkrampfungen der Gesichtsmuskulatur. Oft ist die Region um das Auge und die Mundregion, gelegentlich auch die ganze Gesichtshälfte, betroffen. Psychosozialer Stress verstärkt oft das Leiden, und nicht selten ziehen sich die Betroffenen mehr und mehr zurück.
Die medikamentösen Therapiemöglichkeiten sind ähnlich derer der Trigeminusneuralgie, jedoch ist die Ansprechbarkeit geringer. Injektionen mit Botulinumtoxin in die betroffenen Gesichtspartien können die Spasmen monatelang unterdrücken, jedoch nimmt die Wirkdauer mit der Zeit ab und eine Rückbildung der behandelten Muskulatur kann zu dauerhaften Asymmetrien im Gesicht führen.
DIAGNOSE MITTELS 3D-SIMULATOR
Bei beiden Erkrankungen ist für die Diagnosestellung eine hochauflösende MRI-Bildgebung entscheidend. Darin zeigt sich die mehrheitliche Ursache sowohl der Trigeminusneuralgie als auch des Spasmus hemifazialis: eine Kompression und in der Folge eine Reizung des jeweiligen Hirnnerven durch das Anliegen und Pulsieren einer Arterie oder Vene – oder manchmal durch eine Kombination von beiden.
Dabei kommen spezielle Sequenzen zum Einsatz, die sowohl die betroffenen Hirnnerven als auch alle benachbarten arteriellen und venösen Blutgefässe im Detail darstellen. In unserem Zentrum kommt darüber hinaus ein schweizweit einzigartiger 3D-Simulator zum Einsatz, welcher patientenspezifisch die räumlichen Verhältnisse am Nerven stereoskopisch rekonstruiert und auch den mikrochirurgischen anatomischen Raum und Zugang mit allen umgebenden Strukturen präzise und realistisch simuliert.
JANNETTA-OP: URSACHE BEHEBEN
Bei der Jannetta-Operation wird minimalinvasiv über eine kleine Schädelöffnung hinter dem Ohr in den natürlichen anatomischen Korridor entlang der Schädelbasis eingesehen. Mit dem Operationsmikroskop und dem Endoskop wird der betroffene Nerv dargestellt und das störende Blutgefäss vorsichtig mobilisiert und vom Nerven gelöst. Der Nerv wird dabei mit modernsten optischen Systemen rundum inspiziert, um sicherzustellen, dass jede Irritation beseitigt ist.
Anschliessend wird Teflonwatte, ein vollkommen gewebeneutrales Material, zwischen den Nerv und das störende Blutgefäss gelegt und gegebenenfalls mit Gewebekleber fixiert. Wenn es die anatomische Situation erlaubt, ist es sogar möglich, das Blutgefäss vom Nerven wegzubewegen und dessen Position so zu verändern, dass ein bleibender Abstand zwischen beiden Strukturen hergestellt werden kann. Das Ziel: den Nerven dauerhaft von störenden Blutgefässen zu isolieren.
Sowohl bei der Trigeminusneuralgie als auch beim Spasmus hemifazialis kann mit der Jannetta-Operation in über 90 Prozent der Fälle eine Heilung erreicht werden.
Zum Autor
Prof. Dr. med. Ralf A. Kockro
Facharzt FMH für Neurochirurgie
Neurochirurgie Hirslanden
Zentrum für MikroNeurochirurgie
Witellikerstrasse 40 · 8032 Zürich
T: +41 (0)44 387 21 30
E: ralf@kockro.com
www.kockro.com
Prof. Kockro verbrachte im Jahr 2004 ein Fellowship bei US-Neurochirurg Prof. Dr. Peter J. Jannetta (1932–2016) und verfeinerte sein chirurgisches Verfahren durch den Einsatz von endoskopischer Operationstechnik, 3D-Simulation und -Navigation sowie elektrophysiologischem Monitoring. In einer seiner Publikationen aus dem Jahr 2023 waren 92,3 Prozent der Patienten mit Trigeminusneuralgie innerhalb des Beobachtungszeitraums von vier Jahren schmerzfrei. Es kam zu keiner chirurgischen Komplikation.
Erstellt: 23.12.2025 07:00 Uhr
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