Schilddrüsenkrebs Schilddrüsenkarzinom

Schilddrüsenkrebs ist eine relativ seltene, aber dafür gefährliche Krebsart. Es gibt verschiedene Schilddrüsenkrebs-Typen, die von unterschiedlichen Zellen der Schilddrüse ausgehen und sich daher unterschiedlich äussern und behandelt werden müssen.

Schilddrüsenkarzinom

Allgemeine Informationen

In der Schweiz erkranken pro Jahr rund 790 Menschen an Schilddrüsenkrebs. Frauen sind häufiger betroffen als Männer und im Gegensatz zu anderen Krebsarten tritt Schilddrüsenkrebs häufig auch schon im jüngeren Erwachsenenalter auf. Fast die Hälfte der Patientinnen und Patienten sind zum Zeitpunkt der Diagnose jünger als 50 Jahre. Symptome sind in der Regel erst spürbar, wenn sich der Tumor schon in umliegendes Gewebe ausgebreitet hat und damit recht fortgeschritten ist.

Schilddrüsenkrebs auch Schilddrüsenkarzinom genannt entsteht, wenn Zellen des entsprechenden Organs entarten und sich unkontrolliert vermehren. Es handelt sich daher um eine bösartige Entartung von Drüsenzellen der Schilddrüse. Dadurch verdrängen sie das gesunde Gewebe und diese Krebszellen können oft die ursprüngliche Funktion wie die Produktion von Schilddrüsenhormonen nicht mehr erfüllen. Es gibt vier Typen von Schilddrüsenkrebs: das papilläres Schilddrüsenkarzinom (etwa 80 Prozent aller Fälle), das follikuläre Schilddrüsenkarzinom, das medulläre Schilddrüsenkarzinom und das anaplastische Schilddrüsenkarzinom. Die verschiedenen Zelltypen in der Schilddrüse haben unterschiedliche Aufgaben. Je nachdem, aus welchem Zelltyp der Tumor hervorgeht und wie dieser wächst, erfolgt die Differenzierung in unterschiedliche Schilddrüsenkrebsarten. Bei dreien von vier Arten sind die Heilungschancen bei adäquater Therapie gut. Der vierte Typ ist kaum behandelbar.

Risikofaktoren

Eindeutige Ursachen für Schilddrüsenkrebs sind bis heute nicht geklärt. Es gibt aber Hinweise zur Entstehung solcher Tumore. Zum einen sind es genetische Faktoren, denn wenn Schilddrüsenkrebs in der Familie vorkommt, ist die Wahrscheinlichkeit zu erkranken höher. Das gilt besonders beim medullären Schilddrüsenkarzinom: Bei etwa einem Viertel der Erkrankten lässt sich der Tumor auf einen bestimmten Gendefekt zurückführen, der innerhalb der Familie vererbt werden kann.

Ionisierender Strahlung stellt einen weiteren Risikofaktor für Schilddrüsenkrebs dar. Ein Kontakt mit solchen Strahlen findet jedoch eher selten statt. Beispiele sind eine Bestrahlung im Halsbereich oder Reaktorunfälle mit Freisetzung von 131-Jod wie in Tschernobyl oder Fukushima. Ein Jodmangel ist ebenfalls ein Risiko für Schilddrüsenkrebs, denn mit dem Mangel geht eine Erhöhung des stimulierenden Hormons der Schilddrüse (TSH) und damit ein erhöhtes Risiko für Schilddrüsenkrebs einher. Wer aufgrund von Jodmangel einen Kropf entwickelt hat, ist besonders für das follikuläre Schilddrüsenkarzinom gefährdet. Ernährungs- oder lebensstilbezogene Risikofaktoren oder Umweltrisiken sind hingegen derzeit nicht sicher belegt.

Mögliche Symptome

Symptome wie Schluckbeschwerden, ein tastbar oder sichtbar vergrösserter Lymphknoten im Halsbereich, ein Druckgefühl im Halsbereich, Luftnot, Heiserkeit oder Hustenreiz können Anzeichen für Schilddrüsenkrebs sein. Solche Beschwerden können aber auch auf eine gutartige Schilddrüsenerkrankung hinweisen oder andere harmlose Ursache haben. Das wichtigste Warnzeichen von Schilddrüsenkrebs ist ein neu aufgetretener, rasch wachsender Knoten in der Schilddrüse. Daher sollten ungewöhnliche Schwellungen am Hals lieber immer ärztlich untersucht werden, denn wird Schilddrüsenkrebs frühzeitig erkannt, sind die Heilungschancen sehr gut.

Diagnose

Besteht der Verdacht auf Schilddrüsenkrebs, haben Ärztinnen und Ärzte die Möglichkeit unterschiedliche Untersuchungen durchzuführen. Dabei soll festgestellt werden, ob es sich wirklich um einen Tumor handelt und wenn ja, welche Tumorart vorliegt und wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Durch eine ausgiebige Tastuntersuchung von Hals und Schilddrüse sowie der Lymphknoten können Ärztinnen und Ärzte bereits wichtige Hinweise über die Art der Erkrankung gewinnen. Mit einer Ultraschalluntersuchung können die Lage und Grösse der Schilddrüse sowie Veränderungen an der Schilddrüse und in den Lymphknoten des Halses festgestellt werden. Entsteht aus dieser Untersuchung ein Verdacht auf Krebs, erfolgt zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung der Leber, bei der mögliche Metastasen entdeckt werden können. Die Feinnadelbiopsie ermöglicht dann die Differenzierung, ob ein vorhandener Tumor gut- oder bösartig ist. Mit einer feinen Nadel werden dafür unter Ultraschallkontrolle Zellen aus der verdächtigen Region wie aus Schilddrüse oder Lymphknoten entnommen und unter dem Mikroskop analysiert.

Weitere Untersuchungen zur Feststellung der Tumorausbreitung sind die Schilddrüsenszintigraphie, die Röntgenuntersuchung der Brustorgane (Röntgen Thorax), die Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, MRT), die Kehlkopfspiegelung oder die Spiegelung von Luft- und Speiseröhre.

Behandlung

Die Therapiestrategie hängt beim Schilddrüsenkarzinom vom vorliegenden Tumorstadium und der Tumorart ab. Um eine Patientin bzw. einen Patienten zu heilen, arbeiten häufig Chirurgen, Strahlenmediziner und Internisten eng zusammen.

In vielen Fällen wird die Schilddrüse bei einer Operation vollständig entfernt (radikale Thyreoidektomie). Je nach Grösse und Ausdehnung des Karzinoms werden zusätzlich Lymphknoten entfernt. Ist ein Schilddrüsenkarzinom in die Umgebung eingewachsen, z. B. in die Speiseröhre, Luftröhre oder in Blutgefässe werden diese Anteile, soweit es möglich ist, ebenfalls entfernt.

Nach der Operation wird die Schilddrüse der Patientin oder des Patienten in der Regel mit radioaktiv markiertem Jod behandelt, wodurch restliche Tumorzellen abgetötet werden sollen. Die Patientin bzw. der Patient erhält das radioaktive Jod als Kapsel oder Flüssigkeit. Das Jod lagert sich im speichernden Schilddrüsenrestgewebe ein und gibt dort seine Strahlung ab. Je nach Notwendigkeit kann die Bestrahlung auch mehrfach durchgeführt werden. In der Regel erhalten Betroffene nach der Operation und einer eventuellen zusätzlichen Strahlentherapie das Schilddrüsenhormon L-T4 (Levothyroxin), um die aus der Therapie resultierende Unterfunktion auszugleichen und die Produktion des Schilddrüsen-stimulierenden Hormons (TSH) in der Hirnanhangsdrüse zu bremsen. Nach Entfernung der Schilddrüse steigt das TSH massiv an, da der Körper zu wenig oder gar keine Schilddrüsenhormone mehr herstellt. Ziel ist es den TSH-Spiegel möglichst niedrig zu halten, denn je höher der TSH-Spiegel ist, desto grösser ist das Risiko, dass mögliche noch verbliebene Schilddrüsenzellen zum Wachstum angeregt werden und wieder ein Tumor entsteht.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind zum Beispiel die perkutane Strahlentherapie, bei der lokal ausgedehnte Karzinome zusätzlich von aussen bestrahlt werden oder eine Chemotherapie, wenn der Tumor nicht vollständig herausoperiert werden kann.

Erstellt: 25.06.2021 07:00 Uhr

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