Schmerzen Wenn das Leid kein Ende nimmt

Schmerzen sind ein temporäres Alarmsignal des Körpers. Werden sie chronisch, verlieren sie ihre ursprüngliche Funktion. Als eigenständige Krankheit rauben sie Betroffenen ein grosses Stück Lebensqualität.

Wenn das Leid kein Ende nimmt
Laut Schätzungen leiden rund 1,5 Millionen Menschen in der Schweiz unter chronischen Schmerzen

Autsch – das Backblech ist glühend heiss! Sofort ziehen wir die Hand zurück, ohne darüber nachzudenken oder bewusst einen Entscheid zu treffen. Dies ist gut, denn der durch den akuten Schmerz ausgelöste Reflex schützt das betroffene Köperteil und bringt uns aus der Gefahrenzone. In manchen Fällen jedoch verschwindet der Schmerz nicht wieder, sondern hält an. Von chronischen Schmerzen sprechen medizinische Fachleute, wenn die Pein über sechs Monate anhält, obwohl die eigentliche Ursache bereits «verheilt» ist. Laut Schätzungen leiden rund 1,5 Millionen Menschen in der Schweiz unter chronischen Schmerzen, welche auch ohne organische Ursache auftreten können. Zu den häufigsten Krankheitsbildern gehören Rücken und Kopfschmerzen, gefolgt von Nervenschmerzen. Am zahlreichsten sind rheumatische Erkrankungen und Arthritis die Ursache, gefolgt vom unspezifischen Kreuzschmerz ohne erkennbare Ursache und den spezifischen Kreuzschmerz bei Bandscheibenvorfällen.

Wenn das Leid kein Ende nimmt
Therapie für chronische Rücken- und Beinschmerzen ist möglich

Schmerz übernimmt Kontrolle

Dauerschmerzen führen zu biochemischen und physiologischen Veränderungen an Rezeptoren im Rückenmark und im Gehirn. Durch die veränderten Steuerprozesse bei der Weiterleitung der Signale reagieren Nerven schon auf kleinste Reize oder produzieren die Schmerzinformation gar selbst. Zudem können psychische Belastungen dazu führen, dass die Filterfunktionen der körpereigenen Schmerzkontrolle versagen und Schmerzreize unkontrolliert weitergeleitet werden. Der Schmerz ist dann nicht mehr an körperliche Beschwerden gebunden, sondern tritt ohne äussere Ursache auf. Er hat sich verselbständigt. Das Chronische Schmerzsyndrom gilt als eigenständige Krankheit, die spezifisch behandelt werden muss. Manche Menschen lernen mit der bleibenden Pein zu leben, für andere wird sie zum quälenden, teils lebenslangen Begleiter. Betroffene leiden unter Schlaflosigkeit, verlieren die Lust auf Aktivitäten, können teils ihren Beruf nicht mehr ausüben, isolieren sich zunehmend vom gesellschaftlichen Leben. 66 Prozent aller Schmerzpatienten leiden laut Angabe der Schweizer Paraplegiker Stiftung unter Depressionen. Die Gefahr einer Abhängigkeit von Schmerzmedikamenten ist zudem gross.


Spezifische, lückenlose Behandlung

Patientinnen und Patienten stehen vielfältige Therapieoptionen – Stichwort «Multimodale Schmerztherapie», einer Kombinationaus medikamentöser, psychologischer und körperlicher Therapie – zur Verfügung. Es geht also darum, körperliche und psychische Ursachen, wie etwa die Angst vor dem Schmerz, gemeinsam zu bekämpfen, um auch den Teufelskreis rund um den chronischen Schmerz zu durchbrechen. Entspannungsübungen, darunter Yoga, autogenes Training oder Hypnotherapie, sind daher fester Bestandteil eines ganzheitlichen Therapieansatzes. Darüber hinaus hat sich bei chronischen Rücken und Beinschmerzen die Rückenmarkstimulation als ergänzende interventionelle Massnahme etabliert. Was es laut Fachleuten ebenso braucht, ist eine durchgängige Versorgungskette vom Hausarzt bis zur Schmerzmedizinerin, vom Spital bis in die ambulante Versorgung. Auch könne so, per Frühintervention, bei vielen Schmerzgeplagten eine Chronifizierung vermieden werden.

Erstellt: 15.07.2022 07:00 Uhr

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