Schlaganfall Gehirnschlag

Der Schlaganfall ist eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn, wodurch die Gehirnzellen zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe erhalten. Um die Folgen eines Schlaganfalls zu mildern, ist ein möglichst rascher Behandlungsbeginn entscheidend.

Gehirnschlag

Allgemeine Informationen

Ein Schlaganfall, auch Apoplex oder Apoplexie, Gehirnschlag, Hirninsult, apoplektischer Insult oder zerebraler Insult genannt, ist eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn. Sie hat zur Folge, dass die Gehirnzellen zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe erhalten und dadurch absterben. Ein Hirnschlag muss immer schnellstens ärztlich behandelt werden, denn sonst sterben so viele Gehirnzellen ab, dass der Patient bleibende Schäden wie Lähmungen oder Sprachstörungen davonträgt oder sogar stirbt. Knapp 16‘000 Menschen erleiden in der Schweiz jährlich einen Schlaganfall. Grundsätzlich ist der Hirnschlag in den industrialisierten Ländern eine der häufigsten Todesursachen und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Demenz, einer Behinderung im Erwachsenenalter und lebensbedrohlicher neurologischer Erkrankungen stark. Wer bereits einmal einen Schlaganfall hatte, trägt ein erhöhtes Risiko für einen weiteren Apoplex.

Risikofaktoren

Es gibt einige benennbare Risikofaktoren für einen Hirnschlag, denn ein Schlaganfall entsteht nicht aus dem Nichts. Das Risiko für einen Schlaganfall nimmt mit den Lebensjahren zu und genetische Veranlagungen können ebenfalls einen starken Einfluss haben. Auch ein hoher Blutzucker, hohe Cholesterinwerte und Bluthochdruck erhöhen das Risiko. Allerdings gibt es einige Risikofaktoren, die steuerbar sind. Rauchen, Alkohol, Übergewicht, Bewegungsmangel oder die Einnahme der Verhütungspille zählen dazu und können gezielt beeinflusst werden. Zusätzlich stellen einige Krankheiten eine Gefahr dar. Dazu gehören Fettstoffwechselstörungen, Zuckerkrankheiten wie Diabetes mellitus, Vorhofflimmern, eine verengte Halsschlagader oder auch die Aura-Migräne. Wer an diesen Krankheiten leidet, hat ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. 

Mögliche Symptome

Besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall, sollten Betroffene schnellstmöglich in ein spezialisiertes Zentrum (Stroke Center oder Stroke Unit) gebracht werden. Jede Minute ist kostbar, denn je schneller eine Behandlung stattfindet, desto besser sind die Chancen auf wenige Langzeitfolgen.  

Häufig zeigen sich als Symptome akute Schwäche und Taubheits- und Lähmungsgefühle in einer Körperseite. Bei vielen Patienten hängen der Mundwinkel und das Augenlid an einer Seite herab oder ein Arm kann nicht mehr bewegt werden. Tritt der Schlaganfall in der rechten Hirnhälfte auf, ist die linke Körperseite betroffen und umgekehrt. Ist der Patient/die Patientin vollständig gelähmt, handelt es sich wahrscheinlich um einen Schlaganfall im Hirnstamm.

Plötzliche Sehstörungen wie verschwommen zu sehen oder das Wahrnehmen von Doppelbildern können ebenfalls auf einen Hirnschlag hindeuten. Akut auftretende Sprachstörungen können auch Anzeichen eines Schlaganfalls sein: Betroffene sprechen verwaschen oder lallend, verdrehen Buchstaben oder sind gar nicht mehr in der Lage zu sprechen. Weitere mögliche Anzeichen für einen Schlaganfall sind plötzlicher Schwindel und sehr starke Kopfschmerzen.

Diagnose

Als einen ersten  Test für die Diagnose eines Schlaganfalls führen Rettungskräfte oder Ersthelfer den FAST-Test durch:

F-FACE: Die betroffene Person wird gebeten, zu lächeln. Ist das Lächeln symmetrisch oder verzieht sich das Gesicht einseitig? Ist letzteres der Fall, weist es auf eine Halbseitenlähmung hin.

A-ARMS: Patienten werden aufgefordert, die Arme nach vorne bis auf Schulterhöhe anzuheben und die Handflächen nach oben zu drehen. Ist das möglich und die Arme können auf gleicher Höhe gehalten werden, spricht es gegen eine Lähmung in diesem Bereich.

S-SPEECH: Betroffene sollen einen einfachen Satz nachsprechen, zum Beispiel: Da steht ein Haus. Gelingt das nicht oder klingt die Sprache verwaschen, deutet das auf eine Sprachstörung hin.

T-TIME: Für die Therapieentscheidung ist ausserdem entscheidend zu fragen, wann die Symptome eingesetzt haben.

Im Krankenhaus liefern die Ergebnisse von Tests der Nervenfunktionen Anhaltspunkte dafür, welche Teile des Gehirns vom Schlaganfall betroffen sind und wie stark die Schädigung ist. Dazu führen Ärztinnen und Ärzte eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes durch, um eine genaue Diagnose stellen zu können.

Zusätzlich kontrollieren Ärztinnen und Ärzte das Blut, um eine mögliche Gerinnungsstörung zu finden oder auszuschliessen. Eine Blutabnahme und -untersuchung gibt Informationen über das Blutbild, Blutgerinnung, Entzündungsparameter sowie Risikofaktoren wie erhöhte Choleste-rin- oder Blutzuckerwerte. Eine spezielle Art des Ultraschalls, die Duplex-Sonografie, zeigt ob und wie stark die hirnversorgenden Blutgefässe von Arteriosklerose ("Gefässverkalkung"), Verengung und Thrombose betroffen sind. Dies hilft bei der Ermittlung der Ursachen des Schlaganfalls. Um Herzrhythmusstörungen festzustellen, wird ein Elektrokardiogramm (EKG) durchgeführt. Mittels einer Ultraschalluntersuchung über die Brustkorboberfläche oder über die Speiseröhre (Schluckecho) können beim Verdacht auf eine Herzerkrankung nähere Details ermittelt werden. So lassen sich zum Beispiel Blutgerinnsel in den Vorhöfen nachweisen. Eine neurologische und internistische Untersuchung mit Abfrage der Vorgeschichte jedes Patienten fügt alles zu einem Gesamtbild zusammen.

Behandlung

Direkt nach dem Eintreffen der Notärztin bzw. des Notarztes oder des Rettungsdienstes beginnt die erste Versorgung des Patienten. Dazu gehört die Sicherstellung von Puls und Atmung und Blutdruck. Üblicherweise bekommen Betroffene einen Zugang in die Vene gelegt, über den Flüssigkeit und Medikamente gegeben werden. Ist die Patientin bzw. der Patient bewusstlos, muss eine Zufuhr von Sauerstoff über einen Schlauch in die Luftröhre erfolgen. Der Rettungsdienst sollte die Patientin bzw, den Patienten so schnell wie möglich in ein Krankenhaus bringen, das idealerweise eine auf Schlaganfälle spezialisierte Abteilung (Stroke Unit) hat.

Das Blutgerinnsel, was den Schlaganfall verursacht, lässt sich im Krankenhaus mit einem Medikament auflösen (Lyse-Therapie) oder mechanisch beseitigen (Thrombektomie). Bei der Lyse - Therapie erhält die Schlaganfall-Patientin bzw. der Schlaganfall-Patient über eine Infusion in eine Vene ein Medikament. Dadurch wird ein Enzym im Körper aktiviert, was das Blutgerinnsel abbaut. Diese Form der Lyse-Therapie wird bis zu 4,5 Stunden nach dem Hirninfarkt eingesetzt. Die Erfolgschancen sind umso höher, je früher innerhalb dieses Zeitfensters mit der Lyse begonnen wurde. Sind bereits mehr als etwa 4,5 Stunden vergangen, ist die Lyse - Therapie kaum noch möglich. In bestimmten Fällen kann eine systemische Lyse mit rtPA trotzdem noch bis 6 Stunden nach Auftreten der Schlaganfall-Symptome durchgeführt werden. Wurde ein Schlaganfall durch eine Hirnblutung verursacht, ist die Lyse-Therapie nicht möglich.

Die sogenannte Thrombektomie ist eine weitere Form der Schlaganfall-Behandlung und beruht auf der mechanischen Beseitigung des Blutgerinnsels. Dazu wird unter Röntgenkontrolle ein dünner Katheter über eine Arterie in der Leiste bis zum Gerinnsel im Gehirn vorgeschoben und mit einem geeigneten feinen Instrument entfernt. Beide Verfahren können auch miteinander kombiniert werden, wenn es notwendig ist.

Erstellt: 25.06.2021 07:00 Uhr

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